Die Königin und der Schuhmacher

Es gab einst einen sehr beliebten Schuhmacher, der die verschiedensten Schuhe für Jung und Alt, Reich und Arm herstellte.
Er hatte das Talent, die Wünsche der Menschen genau so anzufertigen, dass sie glücklich mit ihren neuen Pantoffeln waren und dass sie es immer bequem an ihren Füßen hatten.
So hatte der Schuhmacher immer ein Dach über den Kopf, etwas zum essen und vor allem Zufriedenheit im Herzen und um sich herum.
Doch alles hat einmal ein Ende.
Es traf sich, dass die Königin des Landes von seiner Kunst erfuhr. Sie stattete dem Schuhmacher einen Besuch ab und er verneigte sich sehr tief, als er ihre Majestät begrüßte.
“Was kann ich für Euch tun?”, fragte er.
“Ich möchte ein neues Paar Schuhe haben. Man sagt, deine seien die Besten in meinem Reich.”
Erneut neigte der Schuhmacher den Kopf, zum Zeichen, dass er dies bejahte, ohne mit seinem Können zu prahlen.
Er versprach also, dass er in zwei Tagen mit der Anfertigung, der königlichen Schuhe fertig sei und dass er in keiner Weise zögern würde, ehe sein Werk getan war.
Dies bedeutete auch, dass er weder aß, noch schlief.
Als die Königin nach abgesprochener Zeit wiederkehrte, war die Arbeit vollbracht.
Doch als die Königin die Schuhe anprobierte, passten sie zwar, aber ihr selbst waren die Schuhe zu groß.
“Willst du, dass ich die Schuhe verliere?!”, fragte sie ungehalten.
Das war dem Schuhmacher seit Jahren nicht passiert, dass jemandem seine Arbeit nicht gefiel. Also bat er um weitere zwei Tage, welche ihm die Königin gewehrte.
Und wieder verging die Zeit für ihn ohne Schlaf und Essen. Er konnte nicht ruhen, ehe er sich sicher war, dass die Schuhe der Königin gefallen würden.
Nach dieser Zeit unermüdlicher Arbeit, kehrte die Königin zurück und probierte die Schuhe an. Aber sie waren zu klein geworden und nicht mal die Fersen konnten hineinschlüpfen.
“Willst du mich beleidigen?!”, fragte die Königin und der Schuhmacher war selbst überrascht über jenes Ergebnis; hatte er sich doch so übereifrig um dieses Paar Schuhe bemüht.
Er bekam zwei weitere Tage und der Rausch der Arbeit ließ ihn weder essen, noch trinken oder ausruhen.
Die Königin kehrte nach versprochener Zeit wieder zurück. Doch als sie ein weiteres mal in die Schuhe schlüpfte, war ihr das Leder viel zu grob verarbeitet worden.
“Willst du, dass ich zum Gespött der Leute werde?! Außerdem scheuern sich meine sanften Knöchel an diesen Tretern auf!”
Der Schuhmacher entschuldigte sich.
Und wieder bekam er zwei weitere Tage und trotz Knurren seines Magens und des steten Zufallens seiner Augen, arbeitete er dieses mal ganz besonders viel.
Er schickte ein Stoßgebet zu Gott, dass sein Werk nun endlich gelingen würde und er entschuldigte sich dabei, dass er am Sonntag nicht zur Ruhe kam. So wichtig war es ihm, dass die Königin zufrieden sein würde.
Als er fertig war, waren die Schuhe ein wahres Meisterwerk geworden und genau richtig für jemanden von Adel, so anschmiegsam leicht fühlten sie sich an.
Stolz präsentierte der Schuhmacher der Königin sein Werk nach der versprochenen Zeit.
“Was soll das denn sein?!”, schrie sie, ohne die Schuhe richtig anzuprobieren. “Meine Füße werden ganz nass bei diesen unbeständigen Dingern! Siehst du?! Hier löst sich bereits der Faden!”
Auf einmal geschah das Wunder:
Die Königin schrumpfte in sich zusammen und veränderte sich.
Der Schuhmacher war sich erst sicher, eingeschlafen zu sein und zu träumen! Doch als er das Tier entdeckte, welches zwischen den Gewändern der Königin saß, lachte er.
Sie hatte acht verschiedene Beine, ein Paar für jedes Paar Schuhe,
-> Sie war eine Spinne!
“Ob groß, ob klein, mal grob, mal fein,
Heute lasse ich die Arbeit erst mal sein!”