Laternenschein

Es war mal eine Straßenlaterne, deren Aufgabe es war, den Menschen zu später Stunde, den Heimweg zu leuchten. Sie war oft als Treffpunkt benutzt worden, denn sie schien von allen Laternen am meisten. Außerdem freute sie sich über jedes erleichtert lächelnde Gesicht, das vor der hereinbrechenden Dunkelheit Abstand nehmen wollte.
Da war mal ein kleines Mädchen, das sich verlaufen hatte und von ihren Eltern wiedergefunden wurde;
da war ein Päarchen, das sich in die Arme fiel und küsste;
und ein alter Mann, der die Gegend trotz seines hohen Alters, wieder erkannte und nach Hause fand!
So nützlich und geschätzt war sie.
Bis schließlich die Sonne auf die Laterne aufmerksam wurde.
Diese zeigte sich alles andere, als erfreut.
Schließlich war sie es doch, die jeden Tag bis zum Abendrot strahlte und dafür von vielen Völkern verehrt wurde!
Die Laterne aber, drohte immer beliebter zu werden.
Bald gab es auch eine Ansammlung junger Leute, die die Nacht unter ihr zum Tage werden ließen, indem sie laut Musik spielten und dazu tanzten!
Die Sonne war aber der Meinung, dass die Menschen bei Nacht in ihre Häuser gehörten; in ihre weichen Betten, wo sie sich meist, vor Angst, unter ihre Decken verkrochen!
Aber wo war diese Angst hin?
Ausgelassen feierten diejenigen und vergaßen die Zeit, bis in den Morgengrauen.
Und als die Sonne sich darauf freute, die Menschen mit ihren Strahlen begrüßen zu können, drehten sich viele von ihnen noch einmal um, um letztendlich doch den Tag zu verschlafen.
Das setzte dem Ärger der Sonne die Krone auf. Sie bemühte sich so doll zu scheinen, dass niemand mehr bei Tag schlafen konnte! Sie wurde so heiß, dass alle Decken nicht mehr genügend Schutz boten und jede Sonnenbrille kaum ausreichte. Ab sofort hatte niemand mehr auch nur die Kraft, die Sonne - ob tanzend oder nicht - anzubeten.
Dieser Sommer wurde der schlimmste, seit mindestens tausend Jahren.
Das fiel auch dem Mond auf, der die Sonne besser kannte, als irgendjemand sonst und er machte sich Sorgen um seine Kollegin, dass sie sich unnötig verausgabte.
Berechtigt - die Sonne beendete den Sommer ganz plötzlich und versteckte sich hinter den Wolken. Bei all dem Ärger hatte sie schwarze Flecken bekommen und schämte sich.
Der Mond nutzte die Gelegenheit, ein Held zu sein! Er schob sich zwischen Erde und Sonne und versicherte ihr, dass er seine Aufgabe mit niemandem sonst teilen würde! Und das Beste kam erst noch: Als der Mond vollständig vor der Sonne war, konnten die Menschen nicht mehr wegschauen.
Mond und Sonne - so dicht beieinander - waren ein Schauspiel, von dem man sich noch lange erzählen würde! Da konnte selbst eine bescheidene Straßenlaterne nichts ausrichten.
Jene allerdings, blieb die ganze Zeit an Ort und Stelle und schien weiterhin immer nur nachts. Sie und ihre vielen abertausenden Brüder und Schwestern taten ihre Arbeit - bei Nacht nach Hause zu führen! Denn eine Laterne ist eben auch nur eine Laterne und kann nichts für ihre Aufgabe.